Wieso war es früher Brauch, im Sterbezimmer die Fenster zu öffnen?

Früher wurden nach dem Tode eines Menschen die Fenster im Sterbezimmer geöffnet, damit seine Seele  nicht im Haus gefangen bleibt, sondern ihren Weg ins Freie und in den Himmel finden kann. Die Angst vor Wiedergängern war sehr groß und man wollte vermeiden, dass die Seele eines Menschen im Haus bleibt und Unheil anrichtet.
Auf der anderen Seite war dies auch ein recht menschlicher Brauch, da die Verstorbenen einige Tage im Sterbebett blieben (der Schreiner musste den Sarg erst anfertigen, das Grab musste durch die Totengräber ausgehoben werden) und das Zimmer somit gekühl und gelüftet werden musste, wollte man unangenehme Gerüche vermeiden.

Übrigens ist es nach dem Bestattungsgesetz des Landes Baden-Württemberg auch heute noch erlaubt, den Verstorbenen bis zu 36h daheim aufzubahren, um in vertrauter Umgebung Abschied zu nehmen. Nach dieser Zeitspanne muss die Leiche beigesetzt oder in eine Kühlung überführt werden. Längere Aufbahrungen daheim bedürfen einer Ausnahmegenehmigung durch das zuständige Ordnungsamt sowie einer stationären Kühlung und/ oder Kurzzeitkonservierung.

Zuletzt aktualisiert am 17.03.2016 von Redaktion "PIETÄT DECKER".

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